Faszination E.A. Poe: Tarek Assam’s „Der Blick des Raben“

Das Licht geht aus. Die Scheinwerfer sind auf die Bühne gerichtet. Der Vorhang öffnet sich. Ein ganz gewöhnlicher Theaterabend beginnt. Denkste! Nicht mit Tarek Assam, Choreograph am Gießener Stadttheater. Seine jüngsten Tanzstücke, Siddhartha sowie Der Blick des Raben, sind eher als multimediale Umsetzungen zu verstehen. Sie bringen also unterschiedliche Medien zur selben Zeit auf die Bühne. So kann es vorkommen, dass sich Tänzer zu Musik und Gesang bewegen, während im Hintergrund ein Video an die Leinwand projiziert wird. Ist das so schrecklich verwirrend, wie es sich anhört? Oder lohnt es sich tatsächlich, den Abend für modernes Theater freizuhalten? Julian Jungermann von der Literatur- und Kulturredaktion „LiteRadio“ hat sich mit Tarek Assam über seine Edgar Allen Poe-Umsetzung Der Blick des Raben unterhalten und wollte von ihm wissen, was eine moderne Theaterumsetzung ausmacht.

Ein Beitrag von Julian Jungermann

„Einst, um eine Mittnacht graulich, da ich trübe sann und traulich
müde über manchem alten Folio lang vergess’ner Lehr‘-
da der Schlaf schon kam gekrochen, scholl auf einmal leis ein Pochen,
gleichwie wenn ein Fingerknochen pochte, von der Türe her.
„’s ist Besuch wohl“, murrt‘ ich, „was da pocht so knöchern zu mir her –
das allein – nichts weiter mehr.“

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