Mehr Licht!

 …waren nicht nur Goethes letzte Worte, sondern hätte auch problemlos das Motto des    gestrigen Abends sein können. Schon einige Minuten nach offiziellem Beginn der  „Lichterkette gegen Rechts“ auf dem Berliner Platz hielten viele Menschen eine Kerze in den  Händen. … Weiterlesen

Die drei mit dem Synthesizer

 

Ein Schaf, Rosen, eine Ananas, Pfeile und eine chemische Strukturformel – Nein, das ist kein postmodernes Stillleben, sondern das aktuelle Albumcover der Band „Wyoming“, die am 12. März in Gießen auftritt.

Diese Grafik ist der visuelle Ausdruck ihrer Musik: Atmosphärisch, intuitiv und nicht sofort verständlich und greifbar.

Tourdaten_Wyoming© Wyoming

Aber von vorn: Wer sind diese drei Musiker und wie würden sie ihren Sound selbst beschreiben? Das anstehende Konzert in Gießen war für uns der Anlass, da einmal genauer nachzufragen.

Ich habe mich mit der Band getroffen, um zu erfahren, warum man sich auf ihre Musik einlassen sollte.

„Wyoming“, das sind die Brüder Manuel und Sascha Lukas sowie David Stieffenhofer aus dem hessischen Lorch. Bis es die drei zum Studium in andere Richtungen verschlug, versuchten sie sich schon als Jugendliche in der gemeinsamen Heimat an eigenen Songs. Seit 2012 treten die drei Musiker als „Wyoming“ regelmäßig auf. Schon ein Jahr nach der Gründung erschien ihr erstes Album „Fountain“, nachdem sie beim Kulmbacher Independent- Label AdP Records unterschrieben hatten.

Nach einigen Auftritten bei Festivals wie dem „c/o pop“ oder der „Cologne Music Week“ waren die Jungs aus dem Rheingau jüngst auf dem „Melt!“- Festival zu sehen, bevor es an die Aufnahme ihres aktuellen Albums „Moon Jaunt“ ging, das schließlich im November letzten Jahres erschien. Den Sound ihres aktuellen Albums beschreibt die Band so:

Der Stil von Wyoming ist facettenreich und gar nicht so leicht in Worte zu fassen. Beim Produzieren neuer Songs lässt sich die Band von Künstlern wie den „Wild Beasts“, „Grizzly Bear“ und „Radiohead“ inspirieren, greift aber auch auf komplexere Musik, zum Beispiel von „Björk“ zurück. Viele Stimmungen schlagen in den Songs von „Wyoming“ Wurzeln, die man erst allmählich heraushört:

Soweit, so geheimnisvoll. Genug des Spannungsaufbaus. Hört nun selbst, wie das Zusammenspiel von Verträumtheit und Klarheit klingt:

https://www.youtube.com/watch?v=jnW4Ettu9Pk

 

Neulingen empfiehlt die Band, sich ihre Musik eher auf Konzerten als durch das Album zugänglich zu machen. Ihre Art der Performance unterstütze das Publikum, neue Klänge zu entdecken und sich auf sie einzulassen.

Ihr seid neugierig geworden? Dann schaut doch einfach am 12. März, 21 Uhr, im Café Amélie vorbei und hört selbst, was „Wyoming“ noch zu bieten hat!

 

Ein Beitrag von Lena Frewer

 

Nicht ohne meinen Adventskalender

Adventskalender sind doch kindisch! Oder gibt es doch noch Studenten, die immer noch einen haben? Und seit wann gibt es überhaupt Adventskalender? Justus Radio ist diesen Frage nachgegangen und hat einige Studenten im Phil 1 gefragt. Wenn ihr wissen wollt, wie die ANtworten lauten, einfach klicken. 😉

 

Ein Beitrag von Anna Groos, Manuela Falk, Martin Giemza und Pascal Kellner.

Ein Abend – Drei Herausforderungen

Ein Beitrag über den Debattierclub – ich dachte, alles läuft wie immer: Hingehen, ein paar Töne aufzeichnen und später einen Text dazu schreiben. Doch dann sollte ich selbst an der Debatte teilnehmen, wovon ich im ersten Moment noch wenig begeistert war. Ich gab mich dennoch meinem Schicksal hin und machte mich auf zu meiner ersten Debatte.

Die ganze Zeit ging mir diese eine Frage durch den Kopf: Was muss ich eigentlich mitbringen, wenn ich zum ersten Mal an einer Debatte teilnehme?

Im Seminarraum angekommen, wurde uns zunächst das Thema der Debatte vorgestellt: Es sollte um die Frage gehen, ob man Windräder auf dem Schiffenberg bauen darf. Dazu war auch ein Unternehmensberater zu Gast, der uns über das konkrete Projekt informierte und die wichtigsten Eckdaten lieferte.

Die Regeln

Die Parteien „Regierung“ und „Opposition“ treten gegeneinander an. Jede Partei hat drei Redner: Der erste Redner der Regierung hält ein Eröffnungsplädoyer und stellt kurz die Position seiner Partei vor. Darauf folgt der Eröffnungsredner der Opposition. Der zweite Redner der Regierung muss auf die Eröffnung der Opposition reagieren. Im Anschluss tritt der zweite Redner der Opposition auf und greift die zuvor gehörten Argumente auf, wonach dann der letzte Redner der Regierung die gesamte Argumentation der Opposition zusammenfasst, um diese nach Möglichkeit zu demontieren. Nachdem auch der letzte Redner der Opposition an der Reihe war, haben freie Redner die Möglichkeit, ihren Kommentar zu den beiden Sichtweisen abzugeben.

Noch lehnte ich mich entspannt im Stuhl zurück, doch ehe ich mich versah, ging die Debatte auch schon los. Ich vertrat die Position der Regierung, als zweite Rednerin. Ich musste plötzlich die Errichtung eines Windparks auf dem Schiffenberg als Gewinn für die Stadt verkaufen.

Herausforderung Nr. 1: Die Vorbereitungszeit

15 Minuten, um eine Argumentation aufzubauen – und das ganz ohne Google. Die einzigen Hintergrundinformationen, die wir hatten, passten auf eine Powerpoint- Folie, die uns der Unternehmensberater gezeigt hat. Schon die Vorbereitung sorgte für einen respektablen Adrenalinschub – die Stimmung war schon zu Beginn der Debatte aufgeladen.

Herausforderung Nr. 2: Der Opposition richtig zuhören

In der Rolle der zweiten Rednerin war es meine Aufgabe, auf die Eröffnungsrede der Opposition zu reagieren. Obwohl ich mir in der Vorbereitung eilig einige Argumente aufgeschrieben hatte, musste ich flexibel bleiben. Während der Eröffnungsrede der Opposition galt es, die Argumente mitzuschreiben und sich in kürzester Zeit eine plausible Gegenargumentation überlegen. Der Stresspegel steigt.

Herausforderung Nr. 3: Sicheres Auftreten

Meine Hände wurden kälter und zittriger – jetzt war ich also wirklich dran. Mit einem wild vollgekritzelten Blatt Papier stand ich nun vorne und wusste im ersten Moment nicht, wie anfangen. Ohne meine Notizen hätte ich mich gleich wieder setzen können. Zu meiner Verwunderung habe ich es tatsächlich geschafft, aus der Wortansammlung auf meinem Zettel einen größeren Sinnzusammenhang zu erkennen und auf einzelne Punkte der Opposition einzugehen.

Nach meinem vielleicht fünfminütigem Auftritt setzte ich mich wieder und wusste erst einmal gar nichts: War meine Strategie richtig? Haben die Argumente überzeugt? Wird die Regierung gewinnen?

Als die Debatte schließlich beendet war, galt es, auf das Urteil der Jury zu warten. Draußen auf dem Flur ergab sich dann die Gelegenheit, sich mit anderen Mitgliedern des Debattierclubs zu unterhalten:

Einige Minuten später verkündete die Jury dann den Sieg der Regierung. Neben allgemeinen Eindrücken geht die Jury bei ihrem Urteil auch auf einzelne Teilnehmer ein, die sich in der Debatte besonders hervorgetan haben. Außerdem beobachtet immer jeweils ein Jurymitglied einen Teilnehmer der Debatte, der sich im Anschluss an die Debatte sein ganz persönliches Feedback einholen kann.

Am meisten beeindruckt hat mich an diesem Abend das Gruppenklima im Debattierclub. Als blutige Anfängerin wurde ich freundlich empfangen. Im Gespräch mit den Mitgliedern wurde auch deutlich, dass man – so wie ich – keine Vorkenntnisse braucht, um an einer Debatte teilzunehmen:

Alles in Allem hat mich der Besuch beim Debattierclub überrascht. Ich hätte nicht gedacht, dass eine Debatte so energiegeladen und spannend sein kann und man dabei viel lernen kann, was nachhaltig nützlich ist. Ganz nebenbei trifft man dort auch nette Leute aus allen möglichen Studiengängen. Es lohnt sich wirklich, im Studium zwischendurch nach links und rechts zu schauen und das Sofa zuhause gegen das Rednerpult einzutauschen.

 

Lena Frewer

Gießens Urbaner Glamour

 

Was haben die Städte London, New York und Gießen gemeinsam?

Sie sind internationale Metropolen?

Sie haben eine schöne historische Altstadt?

Sie sind Sitz einer der besten Universitäten der Welt?

Nein, alle drei Städte beherbergen Street Art der 3Steps, ein aufstrebendes Künstlerkollektiv aus Gießen, bestehend aus  Kai H. Krieger, Joachim Pitt und Uwe H. Krieger. Seit ihrer Gründung im Jahre 1998 sprayen die Drei auf der ganzen Welt, leben und arbeiten allerdings im guten alten Gießen. Ihr Stil lässt sich mit wohl am besten so beschreiben: Style Writing trifft Pop-Art, gekrönt mit knalligen Farben und realistischen Darstellungen. Die Arbeiten der 3Steps sind überall in Gießen zu sehen, wie das “Sweetheart“ (Bild 1) Graffiti am Späti in der Dammstraße, oder das Porträt von den Astronauten Juri Gagarin (Bild 2) am Campus der THM. Ihre Arbeit beschränkt sich nicht nur auf die Wandmalerei, sie fertigen auch Gemälde auf Holz und Leinwand, Fotografien, Drucke und darüber hinaus Installationen an. Doch die Graffitis im öffentlichen Raum sind wohl den meisten ein Begriff. Erst kürzlich haben die drei in Wetzlar ihr letzes Projekt abgeschlossen, die “Werther Mural“ (Bild 3) mit Goethes bekannten Romanfiguren Werther und Lotte.

Bild 1: Sweetheart  (© 3Steps.de)

Bild 1: Sweetheart, Gießen 2014 (© 3Steps.de)

 

Wandmalereien und Kritzeleien an der Klotür gab es auch schon bei Goethe und Schiller. Auch heute noch werden Graffitis mit Vandalismus gleichgesetzt. Dennoch hat sich durch bekannte Sprayer wie  Banksy das Graffiti zur kommerziellen Kunstform etabliert. Kann sich jeder einfach eine Spraydose schnappen und wie wild drauf lossprühen, oder muss man sich eine Genehmigung holen?

SiveOne and Mr. Flash painted on the subject of technology, research and science a pop art portrait of Juri Gagarin during 11.11.2011. Gagarin was the first cosmonaut of the humanity. He has circuited the earth in space fifty years ago. The graffiti art of 3Steps is to be found on a building at the THM university campus in Giessen.

Bild 2: Porträt des Astronauten Juri Gagarin, Gießen 2011 (© 3Steps.de )

Die Wurzeln der Graffiti Kunst liegen in der Hip-Hop Szene im New York der 1980er Jahre, aber natürlich ist nicht gleich jeder Graffiti Künstler auch ein Hip-Hopper. Viele Künstler leben und arbeiten in den großen Metropolen wie Los Angelos, New York oder London. Das Motiv der Großstadt spiegelt sich auch in den Werken der 3Steps wieder, seien es die bekannten gelben Taxis aus New York oder  Gebäude, die als Kulisse dienen. Woher stammt die Faszination für die Großstadt?

 

3Steps | Werther Mural | Wetzlar 2015

Bild 3: Werther Mural, Wetzlar 2015 (© 3Steps.de)

Trotz der Faszination für New York leben und arbeiten die drei 3Steps Mitglieder in Gießen. Ein Städtchen mit wenig Großstadt Flair, trotz Universität und 77.733 Einwohner. Aber vielleicht bietet Gießen gerade deswegen so viel Potenzial für Graffiti Künstler, weil die Stadt eine Art “urbanen Glamour“ zum Ausdruck bringt. Was ist Urbaner Glamour?

 

Nach Abschluss ihres nicht artistischen Studiums (BWL, Medizin, Informatik)  haben sich die Drei im Jahre 2012 entschlossen, den Fokus auf ihre Kunst zu legen. Ihr Atelier in der Gießener Innenstadt wurde eröffnet, und sie haben die organisatorische und kuratorische Leitung des “River Tales“ (http://www.flussgeschichten.de/) Projekts übernommen. 2014 wurden Sie von der Bundesregierung mit dem Preis “Kultur- und Kreativpilot Deutschland“ ausgezeichnet. Die Zukunft der Gießener als international bekannte Graffiti Künstler rauszukommen sieht vielversprechend aus. Wo stehen 3Steps in 10 Jahren, und gibt es vielleicht zukünftige Projekte mit der Justus-Liebig Universität?

 

Es scheint, als wäre Gießen prädestiniert zu sein, die nächste Graffiti Hochburg zu werden. Und wenn dies nicht geschieht, dann verschönern einfach die Jungs von 3Steps unser Stadtbild und das der Uni ein wenig.

Auf der Webseite von 3Steps könnt ihr mehr über die Künstlerkollektiv erfahren: http://3steps.de/

Von Patricia Polednia

Sag mir wo die Wähler sind – Was ist geschehen?

Heute sind Oberbürgermeister- und Landratswahlen in Gießen. Aber wen interessiert das? Keinen! Gießen hat laut dem Anzeiger etwas mehr als 62.000 Stimmberechtigte. 9000 davon gehören der Gruppe der 25 bis 29-Jährigen an. Sie bilden die größte Gruppe der Wahlberechtigten. Die zweitgrößte Gruppe bilden die 21- bis 24-Jährigen.  Letzte Woche Freitag war eine Podiumsdiskussion in der Bootshausstraße. Die Beteiligung der Bevölkerung war unterirdisch. Eigentlich sollten sich dort die Oberbürgermeisterkandidaten vorstellen. Neben Dietlind Grabe-Bolz (SPD), der amtierenden Bürgermeisterin, kamen Anja Helmchen von der CDU, der „Pirat“ Ralf Praschak und der parteilosen Wolfgang Höll zu Wort, wurden aber nicht gehört. Denn nur 200 Leute waren anwesend, wenn überhaupt, auch wenn die Zeitung etwas anderes behauptet. Ich war immerhin selbst da. Davon war ein Teil CDU-Anhänger (gut zu erkennen mit „Helmchen“-Schild und gegelter Locke). Der andere Teil schien aus Personen vom Gießener Anzeiger und der Allgemeinen zu bestehen. Viel mehr blieben da gefühlt nicht übrig. Auch die Diskussion war eher lau, statt hitzig. Weder haben sich die Kandidaten in die Haare gekriegt (alles lief ziemlich einvernehmlich ab) noch gab es irgendwelche Wutbürger im Publikum, die sich lautstark über die Flüchtlingssituation wegen der Gießener Erstaufnahmeeinrichtung beschwerten.

Mögliche Gründe

Dass die Beteiligung so gering war, kann natürlich auch an äußeren Faktoren gelegen haben. Zum Beispiel war es sehr heiß. Man zerfloss förmlich. Vielleicht blieben deswegen die hinteren Bänke leer. Stattdessen haben sich welche in den Biergarten gesetzt und von dort aus zugehört. Es könnte aber auch daran gelegen haben, dass es an der Ecke kaum Parkplätze gibt. Oder daran, dass es ein Brückentag war und die Leute Besseres zu tun hatte. Oder lag es doch daran, dass sich die Gießener nicht für die Geschicke ihrer Stadt interessieren?

Zum Vergleich: Die Gemeinde Buseck hat laut der „Bild in Frankfurt“ (ich bin erstaunt, dass sie überhaupt darüber berichten) etwa 10.000 Stimmberechtigte. Bei der Podiumsdiskussion dort waren laut dem Gießener Anzeiger 650 Gäste zugegen! Weniger Stimmberechtigte, aber mehr Gäste als in der Stadt Gießen. Allerdings waren dort überwiegend ältere Besucher.

Studenten sind vielleicht das Problem

Liegt es vielleicht daran, dass sich nur noch alte Menschen für Politik und ihren Heimatort interessieren? Sind Junge so unpolitisch? Oder liegt es vielleicht daran, dass Gießen eine Studentenstadt ist? Für die meisten dürfte Gießen nur eine Zwischenstation in ihrem Leben sein. Ich vermute, dass die meisten nach ihrem Bachelor, also knapp drei Jahren, oder ihrem Master, zwei bis fünf Jahren (je nachdem ob der Bachelor auch hier gemacht wurde), wieder verschwinden. So gesehen lohnt es sich nicht, sich in die Stadtangelegenheiten einzumischen. Ich fliese ja auch nicht aus eigenem Antrieb das Bad in der Mietwohnung neu, wenn ich weiß, dass ich nur zwei oder drei Jahre dort lebe.

Meine Erfahrungen

Ich selbst habe mich lange Zeit nicht für Politik interessiert. In der Schule gurkte ich immer auf einer drei herum und habe mich oft gelangweilt. Schön und gut wie der Bundestag aufgebaut ist, aber was hat das mit meinem eigenen Leben zu tun? Erst vor kurzem habe ich berufsbedingt damit begonnen, mich mehr dafür zu interessieren. Jetzt merke ich, dass politisch eigentlich ziemlich viel passiert. Ich kenne mittlerweile auch den ein oder anderen lokalen Politiker und bei manchen merkt man wirklich, mit welchem Engagement sie dabei sind. Die Lokalpolitik bekommt für mich langsam ein Gesicht und wird greifbar. Und vieles davon ist mir neu. Zum Beispiel bin ich immer davon ausgegangen, dass Bürgermeister die mächtigsten Menschen in der Gemeinde sind. Genaugenommen dürfen sie aber höchstens mal einen Antrag einreichen, der dann auch noch erst abgestimmt werden muss. Zumindest ist dass in Hessen so. In anderen Bundesländern haben Bürgermeister noch mehr Befugnisse. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals etwas davon in der Schule gehört zu haben. Genauso wenig wusste ich, dass es einen Landrat gibt, der vom Volk auch noch direkt gewählt wird.

Was kann man daraus schlussfolgern?

1. In der Schule werden die falschen Prioritäten gesetzt. Ich könnte mir vorstellen, wenn erst die Politik vor der eigenen Haustüre besprochen wird, wird das alles konkreter. Möglicherweise immer noch trocken, aber es ist nicht mehr abstrakt. Der Bundestag und die Europapolitik können auch später noch drankommen.

2. Junge Menschen sind tatsächlich unpolitisch. Warum sollte man sich auch für etwas einsetzen, wenn es einem doch im großen und ganzen gut geht? Es fühlt sich nicht so an, als würde Politik etwas bewirken. Oft wird doch einfach nur lange Rumgeschwafelt, bis dann irgendwann etwas passiert, dass dann doch geändert oder nicht umgesetzt wird – siehe Mindestlohn oder Klimagipfel. Das ist politisch, aber es geht so langsam voran, dass die Auswirkungen nicht direkt spürbar sind. Zumindest mir geht es so, dass ich gefühlt mehr mit dem Ordnungsamt zu tun habe, als mit Politik.

3. Es liegt an den Politikern selbst. Wie gesagt, die Podiumsdiskussion in Gießen war ziemlich lau. Keiner ist über den anderen hergefallen, keiner wurde angeklagt, keine großartigen Neuerungen wurden versprochen. Auch die Kandidaten in Buseck ähneln sich in ihren Standpunkten. Selbst bei der Landratskandidatur wurden keine heißen Diskussionen geführt. Selbst die amtierende Landrätin Anita Schneider kritisierte die mangelnde inhaltliche Auseinandersetzung (siehe Gießener Anzeiger).  Werden jetzt auch Politiker unpolitisch? Gibt es nichts mehr, wofür es sich zu kämpfen lohnt?

 

Wann wird man je verstehn, wo das Problem liegt? Ich kann es nicht sagen. Das alles sind nur Vermutungen, meine persönlichen Überlegungen. Vielleicht treffe ich hier und da den Kern, vielleicht tue ich auch jemanden Unrecht. Woran es auch liegen mag, ich finde es erschreckend, dass sich nur so wenige für die Geschicke ihrer Stadt, in der sie immerhin ein paar Jahre leben, interessieren. Es wäre wichtig, die Gründe dafür herauszufinden. Nur wie? Wann wird man es verstehn?

 

von Manuela Falk

 

Quellen:

http://www.giessener-anzeiger.de/lokales/stadt-giessen/nachrichten-giessen/beobachtungen-im-briefwahlbuero_15516630.htm

http://www.giessener-anzeiger.de/lokales/kreis-giessen/buseck/inhaltlich-viele-gemeinsamkeiten_15458389.htm

http://www.bild.de/regional/frankfurt/mittelhessen-zu-wahlmarathon-aufgerufen-41295728.bild.html

http://www.giessener-anzeiger.de/lokales/stadt-giessen/nachrichten-giessen/frauenpower-auf-augenhoehe_15496658.htm

Kultur im Chipkartenformat

Nach gut 6 Jahre andauernden Gesprächen zwischen dem AStA und dem Stadttheater Gießen wurde im Rahmen der Hochschulwahlen Anfang 2014 das Theaterticket beschlossen. Am 1. Oktober 2014 ist dieser Beschluss offiziell in Kraft getreten.

Was bringt mir dieses Ticket?

Wie der Name schon sagt, ist das Theaterticket eine Ergänzung des Semestertickets. Im Winter letzten Jahres wurde beschlossen, dass Studierende der JLU von nun an jedes Semester einen Aufschlag von 1,50 € zum regulären Preis des Semestertickets zahlen. Dieser kleine Betrag ermöglicht es allen Studierenden der beiden Gießener Hochschulen, kostenfrei die Veranstaltungen des Stadttheaters zu besuchen – ausgenommen Premieren. Studierende mit Kind können auch ihren Nachwuchs kostenfrei in die Veranstaltungen mitnehmen.

Wie komme ich an meine Eintrittskarte?

Unter Vorlage des Studentenausweises beim Einlass ist es möglich, über den Online-Shop des Theaters oder die Tageskasse die Tickets zu erwerben. Sofern eine Veranstaltung am Tag ihrer Aufführung noch nicht ausverkauft ist, kann man sich sein Ticket auch an der Abendkasse besorgen.

Was bedeutet das Ticket für das Stadttheater?

Um diese Frage zu beantworten, hat sich Justus Radio mit der Intendantin des Theaters, Cathérine Miville, in ihrem Büro getroffen und über die Entwicklungen nach dem Beschluss des Studierendenparlaments gesprochen. Die Bilanz ist nach einem Semester Laufzeit positiv, nicht zuletzt, weil das Ticket offenbar Studierende aus den unterschiedlichsten Fachbereichen anspricht:

Besonders interessierte uns, inwiefern das Theater heute noch für junge Menschen attraktiv ist. In dieser Hinsicht ist Frau Miville optimistisch: Obwohl nach Einführung des Theatertickets deutlich mehr Studierende die Vorstellungen besucht haben, konnte sich das Stadttheater auch in der Vergangenheit  nicht über einen zu hohen Altersdurchschnitt im Publikum beklagen. Das liegt vor allem am breit gefächerten Angebot des Stadttheaters:

Mit dem Theaterticket sollen Studierende ermutigt werden, die Unterhaltungsform Theater für sich zu entdecken. Theaterbesuche sind keinesfalls aus der Mode gekommen.

Ihr habt Lust bekommen auf einen Abend im Theater?

Dann bietet euch der aktuelle Spielplan einen guten Überblick über derzeitige Veranstaltungen. Diesen könnt ihr unter http://www.stadttheater-giessen.de/kalender.html einsehen.

„Ich hab Markttag“

Die Fastenzeit der christlichen Kirche ist fast vorüber. Die Zeit also, in der der sechsten der sieben Sünden – der Völlerei – Einhalt geboten werden soll. Aber was ist eigentlich mit dem Rest des Jahres? Im Schnitt wandern ein Viertel der weltweit produzierten Lebensmittel direkt in den Müll. Wie sieht es mit unserem bewussten Umgang mit Lebensmitteln während des Rest des Jahres aus?

Langsam leert sich der Gießener Marktplatz. Es ist Mittwoch, kurz nach 14 Uhr. Ich stehe am Schlosskeller. Der Schriftzug Lebensmittelretten steht versteckt auf einem Banner bei den leeren Obst- und Gemüsekisten, daneben ein Fahrradanhänger.

Eine Gruppe von Menschen umgibt mich, die meisten warten, manche laufen schon zu den Händlern, fragen nach ob dieses oder jenes übrig bleibt. Die anderen unterhalten sich: ”Letztes Mal gab es sehr viel Rosenkohl, daraus hab ich dann Marmelade gemacht.“ Oder: „Ja mit Pastinaken geht das auch.“, „… oder Zwiebeln“. Dabei sortieren sie gründlich die herangebrachten Lebensmittel aus, es soll nur mitgenommen werden was auch wirklich noch genießbar ist!

„Ick hab Markttag,
Fischtag, Blumenkohlzeit,
da hock‘ ick mich breit,
der Kohlrabi weeß Bescheid,
die Büchse mit Ravioli bleibt zu,
ick hab‘ Markttag, der Markt tagt,
Frisches Eiweiß durch Fisch sagt mir zu.

Und ick dräng‘ mir voller Zuversicht
von eenem Stend zum andern,
doch plötzlich wird mir taumelig,
die Sinne, die woll’n mir wandern.
Ick glob‘ meen Hamster pfeift mir Zoten,
augenblicklich seh‘ ick klar,
’ne Jurkenband spielt Rock nach Noten,
Pampelmusen tanzen Cha-Cha-Cha.
Und ick setz‘ mir erstmal,
trink’n Schlückchen
Selter auf den Schreck,
wische mir die Augen blank,
stell‘ det Fahrrad an die Wand,
doch plötzlich ist die ganze Schose weg.

Ich hab‘ Markttag…“

(Klaus Hoffman- Markttag)

Das sind die Lebensmittelretter in Gießen, deren Ziel es ist, Lebensmittel dem Mülleimer zu bewahren! Das Projekt das über die Plattform Foodsharing.de läuft, besteht seit etwa März letzten Jahres und entstand im Zusammenhang mit der Transition-Town Initiative Gießen, einer Initiative die sich mit der Lebenswelt-Veränderung in Städten im Zusammenhang der zunehmenden Rohstoffknappheit und dessen Auswirkungen beschäftigt.

Dort hatten sie Leute kennengelernt, die auch Lust hatten, etwas am Umgang mit den Lebensmitteln zu verändern, erzählt Miriam die von Anfang an dabei ist. Mit ihr treffe ich mich vor dem „Amelie“, dem Café des „Genossenschaftsvereins für Solidarität und freie Bildung e.G.”  im Gewerkschaftshaus im ‚Dönerdreieck‘.

Hier wird das gesammelte Essen immer Mittwoch und Samstag um 15 Uhr nach Marktschluss verteilt. Und Donnerstag und Freitag um 19 Uhr gespendete Backwaren von regionalen Bäckern. Kurz vor drei warten schon einige erwartungsvoll vor der noch verschlossenen Tür.

Mit Flyern, Plakaten und im Netz bewerben sie die Aktion. Sie hätten auch schon Obdachlose angesprochen, die habe ich aber bisher noch nicht bemerkt. Die „Gäste“ sind eher jünger, meist Studenten, selten alte Leute. Da es nun kurz nach 15 Uhr ist, sind schon alle Lebensmittel weg. Enttäuscht stehen zwei Studentinnen vorm Café, sie waren das erste Mal da und sind zu spät.

Das ganze Projekt sei sehr gut aufgenommen worden, erzählt Miriam. „Auch die Gruppe der ‚Retter‘ hätte sich langsam so bei 15/20 semifesten Mitgliedern eingependelt, es kommen immer mal neue hinzu und andere finden keine Zeit mehr.“ Menschen, die ‚Retter‘ werden wollen, sind willkommen und können sich einfach über die Foodsharing-Seite melden oder am 1. Dienstag des Monats in der Fachschaft 09 in der alten UB vorbeikommen.

Aufräumen – Im Schrank und mit den Gewohnheiten

Keller, Motten und modische Fragwürdigkeiten – das sind wohl die Dinge, die die meisten Menschen mit Secondhand-Kleidung verbinden. Und ehrlich gesagt stand auch ich dem Gedanken, ausschließlich Secondhand- Kleidung zu tragen, skeptisch gegenüber.

Bis ich vor kurzem im Radio einen Bericht über Hindi Kiflai hörte.

Hindi Kiflai ist eine modebegeisterte Hörfunkjournalistin aus Frankfurt, die bis vor ein paar Monaten noch einen übervollen Kleiderschrank hatte und viel zu oft „nichts anzuziehen“. Dieses Phänomen ist bekannt: Je mehr Jagdausflüge in die Fußgängerzone, desto weniger Überblick im Schrank. Nach Angaben von Greenpeace werden 40% unserer Kleidung nicht regelmäßig getragen und es kommen jährlich etwa 60 neue Kleidungsstücke dazu.

Macht mehr wirklich glücklicher?

Ähnliche Fragen hat sich auch Hindi gestellt und beschlossen, dem textilen Konsumwahnsinn den Kampf anzusagen. Also hat sie aus ihrem Kleiderschrank nahezu jedes Teil verkauft, verschenkt oder getauscht. Der „Kern“ ihres Kleiderfundus bestand dann nur noch aus einigen „Lieblingsstücken“ sowie Unterwäsche und Socken.

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