Studieneinführung: Von Ahnungslosigkeit und Serviceangeboten

 

Datum: Dezember 2013

Redakteure: Sebastian Lies, Stefanie Lux

Sprecher: Stefanie Lux

Beschreibung:

Seit 40 Jahren muss sie jeder mitmachen: Die Studieneinführungswoche. 1973 hat die JLU dieses Angebot für Erstsemester eingeführt. Damals hatte sich das Studium nach den Studentenprotesten der 68er grundlegend gewandelt und neue Lösungen waren gefragt. Genauso wie sich das Studium stetig verändert, haben sich auch die Inhalte der Einführung an die Gegebenheiten und Schwierigkeiten des Studiums angepasst. Sebastian Lies und Stefanie Lux haben den Professoren Lothar Schneider, Dieter Eißel und Ernst-Ulrich Huster, welche selbst an der Uni Gießen studiert haben, Fragen zur Einführungswoche gestellt.

Beitrag:

Heute müssen die Studienanfänger viel organisatorisches Talent und Wissen rund um das Studium mit einbringen. In den Anfängen der Studieneinführungswoche waren dafür etwa die technischen Details des Studiums noch nicht wesentlich. Die emeritierten Professoren Dieter Eißel und Ernst-Ulrich Huster studierten Mitte der 1960er
ahre in Gießen. Sie waren bei der Gründung der Studeneinführungswoche als Lehrende dabei und wissen noch wie es war, ohne eine Einführung oder Mentoren das Studium aufzunehmen.

Eißel: Von daher war man drauf angewiesen, wenn man hier als Neuling anfing, jemanden zu finden, der schon in einem fortgeschrittenen Semester war und einen beraten konnte.

Huster: Und das war doch die Zeit in der wir, auch als Mittelbau, damals von uns aus überlegten, wie führen wir jetzt eigentlich Studenten und Studentinnen in das Studium ein.

Es musste also ein neues Konzept her, um den massenweise an die Universitäten strömenden Studierenden Hilfestellung zu bieten. Die Studieneinführungswoche war geboren. Vor 40 Jahren wie auch heute stand vor allem das Kennenlernen und Kontakte knüpfen der Studenten untereinander im Vordergrund. Die Verwaltung und Initiierung der Einführung lag damals schon bei der Zentralen Studienberatung. Die Programme der Einführungswochen den Studiengängen anzupassen und die von Jahr zu Jahr steigenden Anzahl der Erstsemester mit so vielen Infos wie möglich für das Studium vorzubereiten, ist ein großer Aufwand. Beate Caputa-Wießner hat selbst an der JLU studiert, arbeitet seit Anfang der 90er Jahre bei der ZSB und organisiert seit Jahren das Programm.

Das typische Programm hat es, glaube ich, nie gegeben. Es gab immer Studiengangspezifische Programme. Dafür, dass wir 270 Studieneinführungsgruppen plus 26 Studieneinführungstagesgruppen für die Masterstudierenden handeln und vorbereiten,  ist das natürlich eine ganz schöne Hausnummer. Die Studieneinführungswochen sind ja inzwischen auch auf zei Wochen gestreut, da wir sie sonst gar nicht in den Räumen der Universität unterbringen könnten.

Wichtig sei neben der Verwaltung und Organisation, immer das Engagement der Mentoren gewesen. Sie begleiten die Studierenden, helfen mit Ratschlägen aus und geben wichtige Tipps für das Studium und den jeweiligen Studiengang. Hanna Rindfleisch von der ZSB, die mittlerweile die Einführungswoche mit organisiert, hat selbst mehrfach als Mentorin mitgewirkt. Sie erinnert sich noch gut an ihre eigene Motivation, Mentorin für Erstsemester zu werden.

Mir hat es einfach Spaß gemacht, Studierenden, die vielleicht mal ein Problem hatten, einen Tipp zu geben. Mach das doch mal so oder so. Und weil mir meine eigene Einführungswoche so viel Spaß gemacht hat, wollte ich das vielleicht auch noch mal machen.

Wie auch das Programm sich stetig ändert, hat sich auch die Aufgabe der Mentoren gewandelt. Lothar Schneider, Professor für Literatur, hatte sein Studium in Gießen begonnen, als die Studieneinführungswoche noch in den Kinderschuhen steckte. Die Veränderungen in der Einführungswoche sieht er vor allem durch heutigen Wandel des Studiums an sich geschuldet.

Von dem Versuch sich auch gegen das, gegen die Tradition und gegen die Funktionsweisen der Universität zu artikulieren und so was wie das eigene Interesse zu artikulieren, was da ganz stark war. Sowohl von den Tutoren aus, die sozusagen die erfahrenen alten Männer mit Theoriekompetenz waren, als auch von den kleinen Zöglingen aus. Von dieser Seite hat es sich verschoben zu so einer Art Serviceveranstaltung.

Unter’m Strich wurden 40 Jahre Stdieneinführungswoche als positiv und sinnvoll wahrgenommen. Der Fokus hat sich allerdings stark verlagert: Wo man sich früher zum ersten Mal mit den Inhalten seines Studiums auseinandersetzen und Kommilitonen aus höheren Semestern kennenlernen konnte und musste, beschäftigt man sich heutzutage mit FlexNow und Stud.IP, mit Studienverlaufsplänen und Modulbeschreibungen.