Aufräumen: Im Schrank und mit den Gewohnheiten

Keller, Motten und modische Fragwürdigkeiten – das sind wohl die Dinge, die die meisten Menschen mit Secondhand-Kleidung verbinden. Und ehrlich gesagt stand auch ich dem Gedanken, ausschließlich Secondhand- Kleidung zu tragen, skeptisch gegenüber.

Bis ich vor kurzem im Radio einen Bericht über Hindi Kiflai hörte.

Hindi Kiflai ist eine modebegeisterte Hörfunkjournalistin aus Frankfurt, die bis vor ein paar Monaten noch einen übervollen Kleiderschrank hatte und viel zu oft „nichts anzuziehen“. Dieses Phänomen ist bekannt: Je mehr Jagdausflüge in die Fußgängerzone, desto weniger Überblick im Schrank. Nach Angaben von Greenpeace werden 40% unserer Kleidung nicht regelmäßig getragen und es kommen jährlich etwa 60 neue Kleidungsstücke dazu.

Macht mehr wirklich glücklicher?

Ähnliche Fragen hat sich auch Hindi gestellt und beschlossen, dem textilen Konsumwahnsinn den Kampf anzusagen. Also hat sie aus ihrem Kleiderschrank nahezu jedes Teil verkauft, verschenkt oder getauscht. Der „Kern“ ihres Kleiderfundus bestand dann nur noch aus einigen „Lieblingsstücken“ sowie Unterwäsche und Socken.

hindi1Was Hindi seit dem 1. Januar 2015 jeden Tag trägt, gehörte ursprünglich anderen Menschen, die vor ein paar Jahren vermutlich die Idee hatten, im Kleiderschrank aufzuräumen. Ihr Projekt: 365 Tage Secondhand-Kleidung vom Scheitel bis zur Sohle. Die Kleidung kommt größtenteils aus Oxfam-Shops, Flohmärkten oder privaten Tauschaktionen. Damit sich ein ständiger Kleiderkauf wie zur Zeit vor dem Experiment nicht fortsetzt, hat Hindi mit den Secondhand-Läden, von denen sie ihre Kleider bezieht, die Vereinbarung getroffen, die Kleidung auszuleihen, ein paar Tage zu tragen und später wieder zurück zu geben. Jeden Tag gibt es ein komplett neu zusammengestelltes Outfit auf Hindis Blog www.dailyrewind.de inklusive Angaben zur Herkunft der Kleidungsstücke.

Neben den täglichen Bildern ihrer Outfits geht es in Hindis Blog auch vor allem darum, unter welchen Bedingungen Kleidung produziert wird. Denn bei aller Bekenntnis zur Nachhaltigkeit seitens verschiedenster Textilketten:

hindi2„Bis zu 6000 Liter Wasser für die Herstellung einer Jeans, dazu unfassbar viel Chemie, die verwendet wird, um sie so aussehen zu lassen, wie sie dann bei uns im Laden aussehen, rund zwanzig Mal wird sie gewaschen, bis sie zu uns kommt und die Menschen, die sie herstellen, arbeiten von 8 bis 22 Uhr – mit einer Stunde Pause“. (21.01.2015)

„Weltweit werden rund 80 Milliarden Kleidungsstücke produziert, davon sind allein zwei Milliarden Jeans. In Deutschland werden rund 750 000 Tonnen Altkleider gesammelt, lediglich rund die Hälfte kann als Secondhand-Kleidung verwendet werden. Im Fachjargon heißt das der H&M-Effekt“.

Hindi zeigt in ihrem Blog, dass wir viel zu oft unreflektiert und verschwenderisch konsumieren – eine Entwicklung, die sich einige BloggerInnen zum Thema gemacht haben wie etwa die Wienerin Nunu Kaller, die in ihrem Blog „Ich kauf nix – Ein Jahr ohne Kleiderkauf“ ihren Ansatz zu nachhaltigerem Konsum dokumentiert.

„Wir müssen nicht neu kaufen. Im Gegensatz zu dem, was uns die FastFashion-Industrie glauben machen möchte, kann ein Kleidungsstück einen langen Lebenszyklus haben. Wenn es mir nicht mehr gefällt, kann es Dir, Dir oder eben Dir gefallen.“

Informationen über Produktionshintergründe in der Textilbranche sowie Anregungen zum kritischen Konsum bieten außerdem Seiten wie www.fairwear.org, www.fairaporter.com, www.getchanged.net oder auch www.oxfam.de und www.greenpeace.de

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