Fasten: Bewusster Leben oder Kampfansage an den Alltag?

Der Mensch heute scheint bequem geworden zu sein. Alles ist immer verfügbar, warum sollte auf etwas verzichtet werden? Damit schade ich doch nur mir selbst. Dennoch hat im letzten Jahr jeder Zehnte Deutsche von Aschermittwoch bis Ostern bewusst auf etwas verzichten. So lautet das Ergebnis einer Umfrage, die von der deutschen Presseagentur in Auftrag gegeben wurde.

Fasten? Nein Danke:

Fragt man die Deutschen, ob sie überhaupt schon einmal in ihrem Leben für mehrere Wochen gefastet haben, sind es laut einer Forsa-Umfrage 56 Prozent. Die Gründe für die temporäre Entsagung sind vielfältig.

Warum gefastet wird:

Ursprünglich ist das Fasten religiös motiviert und traditionell wird auf Fleisch verzichtet. Je nach Religion und Strenge der Religion sind auch auf Milchprodukte und tierische Produkte untersagt – Veganer auf Zeit sozusagen. Seit mehreren Jahren ruft die evangelische Kirche wieder verstärkt zu „7 Wochen ohne auf“ und will mehr Menschen zum Fasten bringen. Das Objekt der Begierde kann dabei selbst festgelegt werden. Besonders hoch im Trend liegen Süßigkeiten, Fleisch, Alkohol und Rauchen. Manche verzichten auch auf das Handy oder das Auto. Und ein paar wenige werden richtig kreativ, wenn es darum geht auf etwas Bestimmtes zu verzichten.

Zwei alternative Arten des Fastens:

Verzichten ist keine leichte Aufgabe. Schon die Mönche des Mittelalters schummelten, damit der Verlust nicht gar so schwer war. Das Fleisch wurde ganz klein gemacht, der Geschmack unter Gewürzen versteckt und dann noch in Teig eingepackt. Im Schwäbischen heißt diese Kreation „Gottes Bescheißerle“. In den anderen Bundesländern besser bekannt als „Maultaschen“. Oder Biber wurden kurzerhand als Fische deklariert, denn Fische war ja erlaubt. Auch heute noch werden die Fastenden schwach und reduzieren nur anstatt komplett zu verzichten.

Inkonsequent:

Viele nehmen die Fastenzeit zum Anlass, um sich etwas zu beweisen. Andere fasten aus gesundheitlichen Gründen. Dafür muss auch nicht immer die Fastenzeit ausschlaggebend sein. Verzichtet werden kann das ganze Jahr, es muss nur gewollt sein. Der Zeitpunkt und die Länge des Fastens werden selbst bestimmt. Der Körper wird dann entschlackt und auf Vordermann gebracht. Langsam wird der Körper daran gewöhnt, für mehrere Tage keine Nahrung mehr zu sich zu nehmen. In der Gruppe und mit viel Ablenkung lässt sich auch das bewältigen. Seit Jahren schießen Angebote aus dem Boden, in denen man mit anderen zusammen fastet, wandert und das vollständig unterlässt.

Fasten der Gesundheit zuliebe:

Süßigkeiten, Fleisch und dergleichen mehr können sich viele vorstellen. Es gibt aber auch Dinge, von denen die Trennung viel schwerer fällt. Von festen Bestandteilen des alltäglichen Lebens können sich viele gar nicht mehr trennen, auch wenn sie wissen, dass es vielleicht besser wäre. Vielleicht ist der Schritt auf essentielle Dinge des Alltags zu verzichten doch zu groß. Oder ist es die Angst, dass der Verzicht auf etwas Wichtiges zu gravierende Konsequenzen auf den Alltag hätte?

Worauf ich nicht verzichten könnte:

Tatsächlich ist der Sinn des Fastens aber, seine eigenen Gewohnheiten zu hinterfragen und bestenfalls zu überwinden. Erst durch den Verzicht wird einem der Wert des verbotenen Objektes bewusst. Früher sollte durch den Verzicht bewusst eine innigere Bindung zu Gott aufgebaut werden. Es wäre ein hartes Geschäft auf die Dinge zu verzichten, die schon gar nicht mehr wahrgenommen werden. Was wäre bespielsweise mit Stromfasten? Keine Geräte mehr benutzen die Strom benötigen. Oder Verpackungsfasten – Kann ich in Deutschland leben ohne dabei auf Verpackungen angewiesen zu sein? Zeitfasten wäre vielleicht auch eine interessante Alternative – Sämtliche Uhren aus dem Alltag verbannen. Aufstehen wenn man wach wird, nicht wenn der Wecker klingelt. Und erst dann ins Bett gehen, wenn man müde ist, nicht wenn die Uhr „Schlafenszeit“ sagt. Es gäbe wohl weniger Zeitdruck, aber wäre man noch mit seiner Umwelt kompatibel? Letztendlich bleibt es aber jedem selbst überlassen, ob er sich der Herausforderung eines Verzichts stellt oder nicht.

Dieser Beitrag ist der Start für unsere Reihe über die verschiedenen Arten des Fastens. Des Weiteren sind bisher erschienen:

Aufräumen – Im Schrank und mit den Gewohnheiten

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