Radelnde Cowboys im Herbstgrau – Das erste Konzert von „Knausgard“ nachgehört

© Annika Weertz Fotografie

Seit einiger Zeit schleichen sich immer mehr deutschsprachige Titel in die musikalischen Neuerscheinungen. Ein sprachliches „back to the roots“, echte, handgemachte, authentische Musik ist das Postulat der meisten deutschsprachigen Künstler, die sich in letzter Zeit einen Namen gemacht haben. Das Ergebnis ist leider oft genau das Gegenteil von Einfallsreichtum: Die Bandbreite der Themen bei den meisten sogenannten „Pop-Poeten“ reicht selten über ein unermüdlich wiederholtes Mantra des positiven Denkens hinaus.

Knausgard macht das – zum Glück – anders. Der Solokünstler Marco Rasch, Germanistikstudent an der Uni Gießen, hat sich dem deutschsprachigen Folk verschrieben. Statt eines zermürbenden Glücksdiktats stehen in seinen Texten die „traurigsten Geschichten der Welt“ im Mittelpunkt, wie er auf seiner Facebookseite schreibt. Dass es im Leben fast immer nicht läuft und man die meisten Dinge eben nicht erreicht sind die Leitmotive seiner Texte. Und sind nicht eigentlich Verluste das Authentische?

Am vergangenen Freitag gab er sein erstes Konzert als „Knausgard“ und bot seinem Publikum in der Anschlussverwendung ein gut zweieinhalbstündiges Programm voller gesungener und erzählter Geschichten über das Leben und seine Grässlichkeiten. Solide Mollharmonien geben Texten Raum, die sich trotz ihrer mal heller, mal dunkler grau melierten Stimmung dennoch nicht herbstnebelig im Raum absetzen.

Denn bei allen Traurigkeiten lassen Knausgards Lieder Sprachwitz und Selbstironie nicht vergessen. Cowboys und Landstreicher etwa dürfen bei einem Folk-Konzert natürlich unter keinen Umständen fehlen. Der Modell-Cowboy aus den Filmen von Clint Eastwood wird an diesem Abend zum Rad fahrenden Städter – die Stiefel zu klein, das Herz dafür groß:

 

Neben einer überarbeiteten Version des Idealcowboys findet schließlich auch unsere viel zu oft viel zu graue Stadt einen Platz an diesem Abend. In Gießen im Herbst wird das Bedürfnis, bis zum Frühjahr einfach zu verschwinden, so beschrieben:

 

Konzerte wie diese möchten wir öfter hören in Gießen. Bis zum nächsten Auftritt müsst ihr aber nicht mehr allzu lange warten, denn schon bald wird Knausgard auf unserem Sender zu Gast sein. Wie, wo, warum und wann erfahrt ihr in Kürze auf unserer Facebookseite.

© Annika Weertz Fotografie

Zum Schluss müssen wir eines nun aber doch anprangern: Der in einem Song aufgestellten These, man könne aus einem Akkord kein Lied machen, fehlt spätestens nach diesem Abend jegliche Grundlage.

 

 

Ein Beitrag von Lena Frewer und Johanna Nies

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