Die Wortbefreier

Deniz Yücel, Oğuz Güven, Zhu Yufu – dies sind nur drei Menschen, die aufgrund ihrer kritischen journalistischen oder literarischen Arbeit inhaftiert sind oder verfolgt werden. Auch im 18. Jahr des 21. Jahrhunderts hat nicht jeder Mensch in jedem Land das Recht, seine Meinung frei und straffrei zu äußern.

Die Situation von SchriftstellerInnen und JournalistInnen in einigen Ländern unserer Welt macht betroffen und hilflos zugleich. Ohne Zweifel brauchen diese Menschen Unterstützung und Solidarität seitens anderer Länder und vor allem sollten wir nicht müde werden, auf die Schicksale dieser Menschen und das Unrecht, das ihnen widerfährt, aufmerksam zu machen.

Dieser wichtigen Aufgabe widmet sich der Gießener Verein „Gefangenes Wort e.V.“. Ich hatte die Gelegenheit, mit der Vorsitzenden Madelyn Rittner und ihrem Vorgänger Daniel Schneider über ihre Arbeit im Verein zu sprechen. Der 2012 gegründete Verein geht aus einer studentischen Initiative aus dem Jahr 2008 hervor, als Studierende der Germanistik ein Seminar zum Thema Meinungsfreiheit besuchten.

Bis heute macht „Gefangenes Wort e.V.“ auf Verstöße gegen das Menschenrecht der Meinungsfreiheit auf der ganzen Welt aufmerksam und versucht, die betroffenen JournalistInnen und AutorInnen nach Kräften zu unterstützen.

 

Dieses Jahr findet der Bücherflohmarkt schon am 25.06. statt
© www.gefangenes-wort.de

 

Die Öffentlichkeitsarbeit dreht sich vor allem um den seit 1980 begangenen „Writers in Prison-Day“ am 15. November. Zu diesem Anlass veranstaltet „Gefangenes Wort e.V.“ seit Jahren Bücherflohmärkte. Vor allem Studierenden am Campus Philosophikum werden die Flohmarktstände im Wintersemester schon aufgefallen sein.

Abseits konkreter Spendenaktionen und Petitionen geht es dem Verein vor allem darum, Verstöße gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. So erscheint etwa an jedem ersten Samstag im Monat im „Gießener Anzeiger“ eine Kolumne, die auf einen Einzelfall hinweist und über die Situation der Meinungsfreiheit im jeweiligen Herkunftsland aufklärt.

Beim Fischer-Verlag erschien vor Kurzem eine Anthologie in Zusammenarbeit mit dem deutschen PEN © S. Fischer Verlag

Neben Bücherflohmärkten organisiert der Verein auch regelmäßig Lesungen mit im Exil lebenden Autoren, vor allem im Rahmen der Veranstaltungsreihe „W.i.E. erzählt…“ („Writers in Exile“, Anm. d. Red.). Auch auf künstlerischer Ebene wurden Verstöße gegen die Meinungsfreiheit im Rahmen der Ausstellung „Von Rebellen, Ketzern, Träumern und Tollköpfen. Meinungsfreiheit und Zensur weltweit“ (2014) aufmerksam gemacht. Durch Länderplakate und eine Installation des Gießener Künstlers Piervoj Ogonjok hat der Verein in der Universitätsbibliothek und auch in Friedrichshafen Aufklärungsarbeit geleistet und die internationale Situation der Meinungsfreiheit beleuchtet.

Die Aufklärungsarbeit, Aktionen und Veranstaltungen des Vereins können einerseits durch einen Mitgliedsbeitrag, andererseits aber auch durch aktives Engagement unterstützt werden. Die Aufgaben sind dabei vielfältig.

 

Die Aufgabenverteilung und der Arbeitsaufwand können dabei jederzeit variiert werden:

 

Schon am Sonntag (25.06.) gibt es eine Gelegenheit, den Verein und seine Arbeit näher kennen zu lernen: Zeitgleich mit dem Straßenfest „Fluss mit Flair“ gibt es von 10 bis 17 Uhr auf dem Vorplatz der Kongresshalle einen Bücherflohmarkt, dessen Erlös der Vereinsarbeit zugutekommen soll. Aber auch im Herbst ist „Gefangenes Wort e.V.“ im kulturellen Leben in Gießen präsent.

 

In Zeiten des aufkommenden Rechtsrucks, Verschwörungstheorien und Fake-News wird es immer wichtiger, sich dafür einzusetzen, dass AutorInnen und JournalistInnen weltweit in Freiheit leben und arbeiten können. „Gefangenes Wort e.V.“ zeigt, dass man Unterdrückung nicht hilflos gegenüberstehen muss. Jeder und jede von uns kann einen Beitrag dazu leisten, dass das Recht auf freie Meinungsäußerung nicht nur ein in der Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte verankerter Artikel ist, sondern auch gelebt wird.

 

Ein Beitrag von Lena Frewer

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