„Frankfurt verboten“ im literarischen Zentrum Gießen – Ein Roman gegen das Vergessen

 

„Das geschriebene Wort ist wichtiger als die eigene Person“ – Dieter David Seuthe scheint sich selbst nicht ganz so wichtig zu nehmen – dafür umso mehr die Aufgabe, einen Beitrag gegen das Vergessen der Verbrechen des Nationalsozialismus zu leisten. Dies gelingt ihm mit seinem ersten, 2013 erschienenen, Roman „Frankfurt verboten“ welcher zwischen 1929 und 1936 in Frankfurt spielt und den er letzte Woche im literarischen Zentrum Gießen vorgestellt hat.

Der Psychotherapeut lebt selbst in Frankfurt und auch die Veranstaltungsreihe „Frankfurt liest ein Buch“, die dieses Jahr bereits zum siebten Mal stattfindet, ist ein fester Teil der Frankfurter Kulturszene und bildet den Rahmen der Lesung in Gießen.dieter david seuthe

„Man muss sich an die Wahrheit halten, um aus der Geschichte zu lernen“ – unter diesem Motto steht auch der Roman Seuthes, welcher sich mit seiner Figur der Rosa Bamberg sehr stark an der aus Gießen stammenden und jüdischen Soziologin, Frauenrechtlerin und Politikerin Henriette Fürth orientierte. In seiner Lesung legte er einen sehr großen Fokus auf diese und betont die Verbundenheit zu Gießen: „da kehrt Erinnerung zurück!“. Die restlichen Figuren seines Romans seien „im Prinzip fiktiv“, aber „in jeder Figur stecken viele Teile von einzelnen Lebenswegen“, die der Autor kennen gelernt habe.

Sein Roman handelt von der jungen Frau Elise Hermann, welche am berühmten Hoch´schen Konservatorium in Frankfurt zur Pianistin ausgebildet wird. Mithilfe eines Stipendiums kann sie ihren großen Lebenstraum verwirklichen und lernt auch ihre große Liebe Max von Hochem kennen, welcher mit seinem arischen, sowie adeligen Familienhintergrund zwar eine ganz andere Biografie als sie selbst hat, was ihrer Liebe jedoch nicht im Weg steht. Doch als Hitler 1933 die Macht ergreift ändert sich alles „wie man sich das kaum hat vorstellen können“, so Seuthe: es „zerbröselt einem alles was man gelernt hat unter den Händen“ – Elise darf als Jüdin keine Konzerte mehr geben und auch die Beziehung zu Max wird illegal. Schon ihr erstes Konzert, mit dessen Einnahmen sie eine Operation für ihre Großmutter zahlen wollte, wird durch die Hitlerjugend gestört und gesprengt. Auch Elises Mentorin Rosa Bamberg hatte ein leidtragendes Leben – „denn mit unerfüllten Träumen kannte sie sich aus, als Frau des 19. Jahrhunderts, als Jüdin“. Das Studium wurde ihr versagt und doch setzte sich sich für die Rechte von benachteiligten Gruppen ein und war politisch aktiv. „Sie sehen wie schwierige Lebenswege manchmal gute Ergebnisse bringen“, betonte Seuthe und bezieht sich hierbei auf die Figurenvorlage Henriette Fürth.

„In meinem Buch geht es auch um den Verlust von Heimat, und der Verlust von Heimat und Liebe ist schlimm“, doch „irgendwie entsteht so etwas wie ein Abschluss von Erlösung und das ist auch das, was mein Buch voller Hoffnung macht“, äußert Seuthe. „Die Erinnerung an die Menschen, die davon gejagt wurden“ sei wichtig – und so liest er „Frankfurt verboten“ gegen das Vergessen und für die Erinnerung.

Ihr habt Lust auf eine Autorenlesung? Auf der Facebookseite des Literarischen Zentrums findet ihr alle aktuellen Veranstaltungshinweise.

 

Ein Beitrag von Anna Groos

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