Ein Abend – Drei Herausforderungen

Ein Beitrag über den Debattierclub – ich dachte, alles läuft wie immer: Hingehen, ein paar Töne aufzeichnen und später einen Text dazu schreiben. Doch dann sollte ich selbst an der Debatte teilnehmen, wovon ich im ersten Moment noch wenig begeistert war. Ich gab mich dennoch meinem Schicksal hin und machte mich auf zu meiner ersten Debatte.

Die ganze Zeit ging mir diese eine Frage durch den Kopf: Was muss ich eigentlich mitbringen, wenn ich zum ersten Mal an einer Debatte teilnehme?

Im Seminarraum angekommen, wurde uns zunächst das Thema der Debatte vorgestellt: Es sollte um die Frage gehen, ob man Windräder auf dem Schiffenberg bauen darf. Dazu war auch ein Unternehmensberater zu Gast, der uns über das konkrete Projekt informierte und die wichtigsten Eckdaten lieferte.

Die Regeln

Die Parteien „Regierung“ und „Opposition“ treten gegeneinander an. Jede Partei hat drei Redner: Der erste Redner der Regierung hält ein Eröffnungsplädoyer und stellt kurz die Position seiner Partei vor. Darauf folgt der Eröffnungsredner der Opposition. Der zweite Redner der Regierung muss auf die Eröffnung der Opposition reagieren. Im Anschluss tritt der zweite Redner der Opposition auf und greift die zuvor gehörten Argumente auf, wonach dann der letzte Redner der Regierung die gesamte Argumentation der Opposition zusammenfasst, um diese nach Möglichkeit zu demontieren. Nachdem auch der letzte Redner der Opposition an der Reihe war, haben freie Redner die Möglichkeit, ihren Kommentar zu den beiden Sichtweisen abzugeben.

Noch lehnte ich mich entspannt im Stuhl zurück, doch ehe ich mich versah, ging die Debatte auch schon los. Ich vertrat die Position der Regierung, als zweite Rednerin. Ich musste plötzlich die Errichtung eines Windparks auf dem Schiffenberg als Gewinn für die Stadt verkaufen.

Herausforderung Nr. 1: Die Vorbereitungszeit

15 Minuten, um eine Argumentation aufzubauen – und das ganz ohne Google. Die einzigen Hintergrundinformationen, die wir hatten, passten auf eine Powerpoint- Folie, die uns der Unternehmensberater gezeigt hat. Schon die Vorbereitung sorgte für einen respektablen Adrenalinschub – die Stimmung war schon zu Beginn der Debatte aufgeladen.

Herausforderung Nr. 2: Der Opposition richtig zuhören

In der Rolle der zweiten Rednerin war es meine Aufgabe, auf die Eröffnungsrede der Opposition zu reagieren. Obwohl ich mir in der Vorbereitung eilig einige Argumente aufgeschrieben hatte, musste ich flexibel bleiben. Während der Eröffnungsrede der Opposition galt es, die Argumente mitzuschreiben und sich in kürzester Zeit eine plausible Gegenargumentation überlegen. Der Stresspegel steigt.

Herausforderung Nr. 3: Sicheres Auftreten

Meine Hände wurden kälter und zittriger – jetzt war ich also wirklich dran. Mit einem wild vollgekritzelten Blatt Papier stand ich nun vorne und wusste im ersten Moment nicht, wie anfangen. Ohne meine Notizen hätte ich mich gleich wieder setzen können. Zu meiner Verwunderung habe ich es tatsächlich geschafft, aus der Wortansammlung auf meinem Zettel einen größeren Sinnzusammenhang zu erkennen und auf einzelne Punkte der Opposition einzugehen.

Nach meinem vielleicht fünfminütigem Auftritt setzte ich mich wieder und wusste erst einmal gar nichts: War meine Strategie richtig? Haben die Argumente überzeugt? Wird die Regierung gewinnen?

Als die Debatte schließlich beendet war, galt es, auf das Urteil der Jury zu warten. Draußen auf dem Flur ergab sich dann die Gelegenheit, sich mit anderen Mitgliedern des Debattierclubs zu unterhalten:

Einige Minuten später verkündete die Jury dann den Sieg der Regierung. Neben allgemeinen Eindrücken geht die Jury bei ihrem Urteil auch auf einzelne Teilnehmer ein, die sich in der Debatte besonders hervorgetan haben. Außerdem beobachtet immer jeweils ein Jurymitglied einen Teilnehmer der Debatte, der sich im Anschluss an die Debatte sein ganz persönliches Feedback einholen kann.

Am meisten beeindruckt hat mich an diesem Abend das Gruppenklima im Debattierclub. Als blutige Anfängerin wurde ich freundlich empfangen. Im Gespräch mit den Mitgliedern wurde auch deutlich, dass man – so wie ich – keine Vorkenntnisse braucht, um an einer Debatte teilzunehmen:

Alles in Allem hat mich der Besuch beim Debattierclub überrascht. Ich hätte nicht gedacht, dass eine Debatte so energiegeladen und spannend sein kann und man dabei viel lernen kann, was nachhaltig nützlich ist. Ganz nebenbei trifft man dort auch nette Leute aus allen möglichen Studiengängen. Es lohnt sich wirklich, im Studium zwischendurch nach links und rechts zu schauen und das Sofa zuhause gegen das Rednerpult einzutauschen.

 

Lena Frewer

One thought on “Ein Abend – Drei Herausforderungen

  1. Pingback: Bewegung als studentische Verpflichtung? – Das Debattierduell Profs vs. Studierende 2017 | Justus Radio

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.