Semesterbrunch – Fressen und gefressen werden

Samstagmorgen an einem sonnigen Herbsttag. Der Campus des Phil I ist ruhig und beschaulich, die Nebelschwaden ziehen langsam ab, die Sonnenstrahlen wärmen zart die Wangen und die ersten müden Studis schleppen sich müde zur in Richtung CUBar gen zur Kaffeeinfusion. – Doch halt! Was passiert hier? Ein Trott an halb wachen Menschen bewegt sich nicht in die Cubar, sondern Richtung Mensa, doch bis dorthin kommen sie nicht. Eine riesige Schlange hat sich vor der Mensa gebildet und dabei handelt es sich nicht um eine Werbeaktion für Energydrinks oder eine Meuterei gegen die Flyermafia: Etwas Bbesonderes scheint es aber hier zu geben: Der alljährliche Semesterbrunch, exklusiv nur für Studierende. Stefanie Lux hat sich für euch in die Höhle der hungrigen Studis geworfen.

                                                                                                       Ein Beitrag von Stefanie Lux

Acht Uhr morgens. Mein Wecker klingelt und ich frage mich kurz warum ich an einem Samstag so früh aufstehe. Achja: Essen, viel, viel Essen. Meine Karte für den Semesterbrunch habe ich schon Wochen vorher erworben, für den Einlass um elf Uhr. Der Einlass ist gestaffelt, letztes Jahr hatte ich ein Ticket für den Einlass um 10, das war mir dieses Jahr eindeutig zu früh. Trotzdem stehe ich nun um acht auf. Warum? Weil Vorbereitung die beste Strategie ist. So früh wie möglich sollte man sich anstellen, erfahrungsgemäß reichen die Schlangen bis zum Psychologiegebäude auf dem Phil I. Außerdem kommt in mir, wenn es um Buffets geht, ein archaischer Futterneid auf. Ich will als eine der Ersten essen. Doch als ich gegen halb elf Uhr das Philosophikum erreiche, schwandt mir nichts Gutes. Die anderen waren früher da, die Schlange ist endlos lang. Wann haben die sich alle angestellt? Wie lang stehen die denn schon hier?

Zwei Stunden oder so.  – Eine Stunde! – Ungefähr ne halbe Stunde! – Na wir waren schon früher da. Viertel vor 10 standen wir schon. – Wir haben ne halbe Stunde angestanden. Wir waren aber auch zu früh da, weil wir dachten der erste malt zuerst.

Ok, dagegen habe ich keine Chance. Vordrängen traue ich mich im Gegensatz zu vielen anderen nicht. Die meisten sind schon vom Hunger und dem langen Anstehen so gereizt, dass sie mir nicht mal Fragen für diesen Beitrag beantworten wollen. Ich beschließe, mich an den Rand zu setzen und die Schlange vorbei ziehen zu lassen. Innerlich versuche ich mich selbst zu überzeugen, dass das Buffet bis 14:00 Uhr immer wieder aufgefüllt wird und ich nichts verpasse. Als sich um viertel nach elf die Türen öffnen, geht das Gedränge los und ich habe Zeit alles in Ruhe zu filmen und zu fotografieren. Endlich – es ist mittlerweile kurz vor zwölf- lichtet sich die Schlange und ich stelle mich an. Dann geht alles sehr schnell. Ich muss meine Eintrittskarte sowie meinen Studentenausweis vorzeigen, bekomme wie auf einem Festival ein blaues Armbändchen umgelegt und trete in das Foyer der Mensa. Hier eröffnet sich eine andere, nun schon seit Stunden ersehnte Welt. Zur Begrüßung werden Tabletts mit Fingerfood gereicht: Pizza, Antipasti, Omlette. Das Motto dieses Jahr ist schließlich Bella Italia. Mein Magen freut sich und ich stopfe mir viel zu viel in den Mund. Laute, heitere Popmusik beschallt mich, während ich das Foyer durchquere.

Pizza  Fingerfood

Ich verfolge weiter meine Strategie: Zuerst einen Sitzplatz suchen und dann am Buffet anstellen.
Als ich oben angekommen bin, wird schnell klar: Das mit dem Essen wird dauern. Drei Buffets sind dort aufgebaut. Wo die Schlange für das eine anfängt und die andere aufhört ist nicht zu erkennen. Also stelle ich mich an das erste Ende das ich entdecken kann. Viele Minuten später erreiche ich die Tellerausgabe. Hier zeigt sich, nichtDoch nicht nur mein Futterneid ist bei Buffets groß, auch der der anderen ist nicht zu unterschätzen.

Schlange1 Schlange

Ich habe mich wohl an der falschen Schlange angestellt und nun lässt mich niemand an die richtige anschließen. Mirt dieser hungrigen Meute legen ich mich nicht an. Solidarität hört wohl beim günstigen Essen auf. Ich überwerfe meine Strategie, ziehe mich zurück ins Foyer und halte mich mit Fingerfood gegen den Hungertod auf den Beinen.

Studis Essen Essensausgabe

Zahlreiche Studis finden sich nach und nach auf ihren vorher reservierten Sitzplätzen ein. Voll beladen mit leckerem, italienischen Essen. Ich frage mich wie lange die anderen wohl für ihr volles Tablett an Köstlichkeiten anstehen mussten.

Am Buffet standen wir anderthalb Stunden an. – Gerade an Buffet Eins und Zwei war das eher eine Schlacht!

Meine neue, alte Strategie ist also wieder warten, den Appetit mit Eis und Fingerfood stillen und sich dem Buffet erst stellen wenn der große Ansturm vorüber ist. Eine gemütliche Brunchatmosphäre kommt bei mir nicht auf, ich sitze auf heißen Kohlen, stiere neidisch auf die vollen Teller meiner Kommilitonen, doch das Anstehen am Buffet will ich mir nach der ersten Erfahrung sparen. Andere hatten dabei wohl kreativere Strategien.

Dass das mit dem Anstehen blöd gelaufen ist, das haben wir uns aber selbst zu verschulden, weil sich regelmäßig Leute vordrängeln, natürlich weil sie nicht anstehen wollen. Wir hatten ein Mädchen, das hatte eine sehr ausgebuffte Strategie und hat eine Serviette wohl selber vor uns hingeworfen und hat sie aufgehoben und hat dann meine Mitbewohnerin gefragt, ob das ihre wäre und hat sich durch ganz, ganz nette Worte dann in ein Gespräch mit ihr verwickelt und sich direkt hinter meine Mitbewohnerin gestellt, so dass sie sich quasi vorgedrängelt hat und somit um einiges weiter vorne stand.

Puh, da warte ich dann doch lieber und kurz vor eins wage ich mich dann endlich an das Buffet. Meine größten Befürchtungen sind aber leider wahr geworden. Zwar gibt es noch reichlich Essen, nun bedauerlicherweise nicht mehr so wundervoll angerichtet, wie zu Beginn, aber einige Speisen, wie der Parmaschinken, werden nicht mehr nachgefüllt. Sie sind schlichtweg weggefuttert. Wie im Rausch fülle ich meine Teller mit Mozzarella, Pasta, Lachs, Pizza, mache einen großen Bogen um das Gemüse, welches nur Platz verschwendet für das wovon ich schon seit Einlass träume: Tiramisu und Eis.

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Leider habe ich mich in meinem Futteraufschaufelwahn etwas verschätzt. Ich schaffe gerade mal die Hälfte dessen, was ich mir auf den Teller habe legen lassen. Hier zeigt sich wieder, dass andere besser vorbereitet waren:

Wir haben Tupperdosen mitgenommen!

Müde und mehr als satt mache ich mich um halb drei auf den Heimweg. Ich bin glücklich, das Essen war wunderbar und lecker, doch vor allem war es unnötig anstrengend durch das Gedränge und Gerenne um das Essen. Wie sich andere dabei gefühlt haben?

Was ich kritisch sehe an der Veranstaltung, ist das sich jeder eigentlich nur sich selbst der nächste ist. Und ja, das ist ein bisschen schade. Ich denke es ist auch eine schöne Veranstaltung, gerade weil man unten auch noch einige Stände hat und viele Leute trifft.

Beim Semesterbrunch lässt es sich also für günstiges Geld gut essen. Das Studentenwerk gibt sich jedes Jahr große Mühe die Studierenden neben leckerem Essen auch durch Aktionsstände und Gewinnspiele mit guter Laune zu versorgen. Doch wie bei allem ist es auch hier so: Wo Licht ist, fällt auch Schatten, beim Essen hört die einfach Freundschaft auf.

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