„Ich hab Markttag“

Die Fastenzeit der christlichen Kirche ist fast vorüber. Die Zeit also, in der der sechsten der sieben Sünden – der Völlerei – Einhalt geboten werden soll. Aber was ist eigentlich mit dem Rest des Jahres? Im Schnitt wandern ein Viertel der weltweit produzierten Lebensmittel direkt in den Müll. Wie sieht es mit unserem bewussten Umgang mit Lebensmitteln während des Rest des Jahres aus?

Langsam leert sich der Gießener Marktplatz. Es ist Mittwoch, kurz nach 14 Uhr. Ich stehe am Schlosskeller. Der Schriftzug Lebensmittelretten steht versteckt auf einem Banner bei den leeren Obst- und Gemüsekisten, daneben ein Fahrradanhänger.

Eine Gruppe von Menschen umgibt mich, die meisten warten, manche laufen schon zu den Händlern, fragen nach ob dieses oder jenes übrig bleibt. Die anderen unterhalten sich: ”Letztes Mal gab es sehr viel Rosenkohl, daraus hab ich dann Marmelade gemacht.“ Oder: „Ja mit Pastinaken geht das auch.“, „… oder Zwiebeln“. Dabei sortieren sie gründlich die herangebrachten Lebensmittel aus, es soll nur mitgenommen werden was auch wirklich noch genießbar ist!

„Ick hab Markttag,
Fischtag, Blumenkohlzeit,
da hock‘ ick mich breit,
der Kohlrabi weeß Bescheid,
die Büchse mit Ravioli bleibt zu,
ick hab‘ Markttag, der Markt tagt,
Frisches Eiweiß durch Fisch sagt mir zu.

Und ick dräng‘ mir voller Zuversicht
von eenem Stend zum andern,
doch plötzlich wird mir taumelig,
die Sinne, die woll’n mir wandern.
Ick glob‘ meen Hamster pfeift mir Zoten,
augenblicklich seh‘ ick klar,
’ne Jurkenband spielt Rock nach Noten,
Pampelmusen tanzen Cha-Cha-Cha.
Und ick setz‘ mir erstmal,
trink’n Schlückchen
Selter auf den Schreck,
wische mir die Augen blank,
stell‘ det Fahrrad an die Wand,
doch plötzlich ist die ganze Schose weg.

Ich hab‘ Markttag…“

(Klaus Hoffman- Markttag)

Das sind die Lebensmittelretter in Gießen, deren Ziel es ist, Lebensmittel dem Mülleimer zu bewahren! Das Projekt das über die Plattform Foodsharing.de läuft, besteht seit etwa März letzten Jahres und entstand im Zusammenhang mit der Transition-Town Initiative Gießen, einer Initiative die sich mit der Lebenswelt-Veränderung in Städten im Zusammenhang der zunehmenden Rohstoffknappheit und dessen Auswirkungen beschäftigt.

Dort hatten sie Leute kennengelernt, die auch Lust hatten, etwas am Umgang mit den Lebensmitteln zu verändern, erzählt Miriam die von Anfang an dabei ist. Mit ihr treffe ich mich vor dem „Amelie“, dem Café des „Genossenschaftsvereins für Solidarität und freie Bildung e.G.”  im Gewerkschaftshaus im ‚Dönerdreieck‘.

Hier wird das gesammelte Essen immer Mittwoch und Samstag um 15 Uhr nach Marktschluss verteilt. Und Donnerstag und Freitag um 19 Uhr gespendete Backwaren von regionalen Bäckern. Kurz vor drei warten schon einige erwartungsvoll vor der noch verschlossenen Tür.

Mit Flyern, Plakaten und im Netz bewerben sie die Aktion. Sie hätten auch schon Obdachlose angesprochen, die habe ich aber bisher noch nicht bemerkt. Die „Gäste“ sind eher jünger, meist Studenten, selten alte Leute. Da es nun kurz nach 15 Uhr ist, sind schon alle Lebensmittel weg. Enttäuscht stehen zwei Studentinnen vorm Café, sie waren das erste Mal da und sind zu spät.

Das ganze Projekt sei sehr gut aufgenommen worden, erzählt Miriam. „Auch die Gruppe der ‚Retter‘ hätte sich langsam so bei 15/20 semifesten Mitgliedern eingependelt, es kommen immer mal neue hinzu und andere finden keine Zeit mehr.“ Menschen, die ‚Retter‘ werden wollen, sind willkommen und können sich einfach über die Foodsharing-Seite melden oder am 1. Dienstag des Monats in der Fachschaft 09 in der alten UB vorbeikommen.

Aufräumen – Im Schrank und mit den Gewohnheiten

Keller, Motten und modische Fragwürdigkeiten – das sind wohl die Dinge, die die meisten Menschen mit Secondhand-Kleidung verbinden. Und ehrlich gesagt stand auch ich dem Gedanken, ausschließlich Secondhand- Kleidung zu tragen, skeptisch gegenüber.

Bis ich vor kurzem im Radio einen Bericht über Hindi Kiflai hörte.

Hindi Kiflai ist eine modebegeisterte Hörfunkjournalistin aus Frankfurt, die bis vor ein paar Monaten noch einen übervollen Kleiderschrank hatte und viel zu oft „nichts anzuziehen“. Dieses Phänomen ist bekannt: Je mehr Jagdausflüge in die Fußgängerzone, desto weniger Überblick im Schrank. Nach Angaben von Greenpeace werden 40% unserer Kleidung nicht regelmäßig getragen und es kommen jährlich etwa 60 neue Kleidungsstücke dazu.

Macht mehr wirklich glücklicher?

Ähnliche Fragen hat sich auch Hindi gestellt und beschlossen, dem textilen Konsumwahnsinn den Kampf anzusagen. Also hat sie aus ihrem Kleiderschrank nahezu jedes Teil verkauft, verschenkt oder getauscht. Der „Kern“ ihres Kleiderfundus bestand dann nur noch aus einigen „Lieblingsstücken“ sowie Unterwäsche und Socken.

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Fasten: Einfach nur bewusster Leben oder Kampfansage an den Alltag?

Der Mensch heute scheint bequem geworden zu sein. Alles ist immer verfügbar, warum sollte auf etwas verzichtet werden? Damit schade ich doch nur mir selbst. Dennoch hat im letzten Jahr jeder Zehnte Deutsche von Aschermittwoch bis Ostern bewusst auf etwas verzichten. So lautet das Ergebnis einer Umfrage, die von der deutschen Presseagentur in Auftrag gegeben wurde.

Fasten? Nein Danke:

Fragt man die Deutschen, ob sie überhaupt schon einmal in ihrem Leben für mehrere Wochen gefastet haben, sind es laut einer Forsa-Umfrage 56 Prozent. Die Gründe für die temporäre Entsagung sind vielfältig.

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